Alle unsere Busse und Straßenbahnen sind Niederflur-Busse und haben einen elektrischen Hublift. Das finde ich super, weil ich in Bremen im Unterschied zu anderen Städten nicht mit den Fahrer und Fahrerinnen darüber diskutieren muss, ob sie extra aussteigen, um eine manuelle Rampe herauszulegen. Die Hublifte werden anständig gewartet, deshalb funktionieren sie in der Regel.

Kassandra Ruhm

Kassandra Ruhm ist unsere Botschafterin für das Projekt „Tausendundeine Rampe“ in Bremen. Ein Glück, dass wir sie als Expertin in der Hansestadt haben – denn der ÖPNV ist ihrer Meinung nach zwar bereits gut auf Rollstuhlfahrer eingestellt, aber „Orte des schönen Lebens“ wie Cafés und Kneipen sind oft nur über eine Stufe zugänglich.

Kassandra ist 43 Jahre alt und arbeitet als Psychologin in einer Beratungsstelle an der Uni Bremen. In ihrer Freizeit leitet sie das inklusive Tanzprojekt „bunter umso schöner tanzen“ und schreibt Artikel über das Zusammenleben von behinderten und nichtbehinderten Menschen. 

Wir haben Kassandra gefragt, wie rollstuhlgerecht ihre Umgebung ist, was sie als Rampenbotschafterin in Bremen vorhat und was sie sich für die Zukunft wünscht.

Wie Kassandra Barrierefreiheit in Bremen einschätzt

Redaktion: Kassandra, wie sieht es in Bremen mit der Rollstuhlgerechtigkeit aus?

Kassandra: Das kommt darauf an, wohin man guckt. Alle unsere Busse und Straßenbahnen sind Niederflur-Busse und haben einen elektrischen Hublift. Das finde ich super, weil ich in Bremen im Unterschied zu anderen Städten nicht mit den Fahrer und Fahrerinnen darüber diskutieren muss, ob sie extra aussteigen, um eine manuelle Rampe herauszulegen. Die Hublifte werden anständig gewartet, deshalb funktionieren sie in der Regel.

So gut wie alle Haltestellen sind stufenlos erreichbar. Durch den guten ÖPNV sind in Bremen viel mehr Rollstuhlfahrer und -fahrerinnen Teil des täglichen Stadtbilds, als in den meisten anderen Städten. Dadurch wird der Umgang miteinander normaler und entspannter. Bei der Barrierefreiheit von Gebäuden haben wir aber noch viele Probleme.

Wie sich Kassandra engagiert

Redaktion: Warum machst du bei der Aktion “Tausendundeine Rampe” mit?

Kassandra: Weil ich „Tausendundeine Rampe“ ein super Projekt finde. Weil ich mir eine gemeinsame und möglichst gleichberechtigte Welt für alle wünsche. Und weil dem Rest der Gesellschaft unser schöner Anblick nicht entgehen soll!

Redaktion: Welche Betreiber wirst du wohl fragen oder hast du schon gefragt?

Kassandra: Ich spreche vor allem originelle Cafés, Kneipen und andere Orte des schönen Lebens an. Denn wenn man etwas Schönes miteinander teilt, ergeben sich die anderen Lebensbereiche oft von selbst.

Was sich Kassandra wünscht

Redaktion: Rampen sind ja eigentlich nur Übergangslösungen, was wünscht du dir für die Zukunft?

Kassandra: Wenn man es klein ausdrückt: Dass es mit der Zeit statt der mobilen Rampen immer mehr ebenerdige Zugänglichkeit oder feste Rampen gibt. Damit man nicht immer extra fragen muss, ob jemand die Rampe holt. Denn „barrierefrei“ bedeutet, dass man jederzeit und ohne besonderen Aufwand frei herein und heraus fahren kann und dass Rampen breit genug und nicht steiler als 6 Prozent sind. Also für 6 Zentimeter Höhenunterschied 1 Meter Rampenlänge haben.

Wenn man es groß ausdrückt, wünsche ich mir, dass die Behindertenrechtskonvention tatsächlich umgesetzt wird, dies wunderbare und in Deutschland eigentlich seit 2009 gültige Gesetz.

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