Wheelmap.org zeigt “Toiletten für alle” der Stiftung Leben pur an.

Foto von einer Toilette für alle inklusive: Pflegeliege und Deckenlifter
Foto: Stiftung Leben pur

Auf Wheelmap.org, der weltweit größten Onlinekarte für rollstuhlgerechte Orte, sind mittlerweile über 100 “Toiletten für alle” zu sehen. Bereitgestellt werden diese Informationen von der Stiftung Leben pur. Künftig werden durch diese Partnerschaft noch weitere Einträge folgen.

Öffentliche Toiletten sind in der heutigen Zeit selbstverständlich. Auch Behinderten-WCs findet man an vielen Orten in Deutschland. Doch für Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen sind viele Behinderten-Toiletten ungeeignet.

Die Stiftung Leben pur setzt sich dafür ein, dass es bundesweit an allen öffentlichen Orten „Toiletten für alle“ gibt. Ohne geeignete Sanitäranlagen können Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen sowie Inkontinenzproblemen nicht am öffentlichen Leben teilhaben. Eine “Toilette für alle“ bietet diesen Personen und ihren Begleitern die zusätzlich notwendige Ausstattung, um eine Toilette benutzen oder in liegender Position Inkontinenzeinlagen wechseln zu können – also einen “Raum für den Wechsel“. Die Toilettenräume sind ausreichend groß und mit einer Pflegeliege mit abklappbarem Seitengitter ausgerüstet sowie mit einem Personenlifter für den sicheren und rückenschonenden Transfer vom Rollstuhl auf die Pflegeliege und zurück.

Auf der Website https://www.toiletten-fuer-alle.de/ gibt es weitere Informationen zu dem Projekt und eine detaillierte Übersicht der “Toiletten für alle” in Deutschland. Warum diese Toiletten ein wichtiges Element für gesellschaftliche Teilhabe sind, wird eindrücklich in diesem Video der Stiftung Leben pur dargestellt.

Aufwertung der Wheelmap durch “Toiletten für alle” 

Damit “Toiletten für alle” in Zukunft noch einfacher zu finden sind, werden sie auch in der Wheelmap angezeigt. So profitieren möglichst viele Menschen von den vorhandenen Informationen. Auch in Zukunft sollen neue “Toiletten für alle” auf der Wheelmap in Zusammenarbeit mit der Stiftung Leben pur eingetragen werden.

“Das Wheelmap Team freut sich sehr über diese Partnerschaft, da die Informationen zu “Toiletten für alle” die Wheelmap enorm bereichern. Die Daten sind qualitativ hochwertig, da die Stiftung Leben pur sich um Aktualität und Qualität kümmert. Wir freuen uns auch in Zukunft weitere “Toiletten für alle” in die Wheelmap aufzunehmen,” erklärt Produktmanager Holger Dieterich.

Das Wheelmap Team freut sich sehr über diese Partnerschaft, da die Informationen zu “Toiletten für alle” die Wheelmap enorm bereichern.

Holger Dieterich - Produktmanager von Wheelmap.org

Hier ein Beispiel, wie eine “Toilette für alle“ auf der Wheelmap angezeigt wird: 

https://wheelmap.org/nodes/9NmwhtQiyequnyGN8

 

Die Stiftung Leben pur reiht sich mit der Bereitstellung ihrer Daten in eine Gruppe von über 140 internationalen Partnern ein, welche die Wheelmap dankenswerterweise mit ihren Daten bereichern. Neben den Daten der OpenStreetMap werden unter anderem Informationen von HERE Maps, Parkopedia, Jacced oder Foursquare angezeigt. 

Möglich gemacht hat dies ein Daten-Austauschmodell, welches die Sozialheld*innen (die Gründer*innen der Wheelmap) in einem weiteren Projekt namens Accessibility Cloud entwickelt haben. 

Möchten Sie auch, dass Ihre Ortsinformationen zur Barrierefreiheit Teil der Wheelmap werden? Dann kontaktieren Sie uns gerne unter: [email protected] 

Foto einer Toilette für alle
Foto: Stiftung Leben pur

Warum “Toiletten für alle”?

Teilhabe in vollem Umfang

Seit 2009 gilt in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention. Diese verpflichtet die Bundesrepublik dazu, bestehende Gesetze dahingehend anzupassen, dass Menschen mit Behinderung die gleichen Rechte etwa in der Bildung, bei der Arbeit und im kulturellen Leben erhalten, wie Menschen ohne Behinderung. Über den verbreiteten Integrationsgedanken hinaus fordert die Konvention die soziale Inklusion, also in vollem Umfang an der Gesellschaft teilhaben zu können und dabei Unabhängigkeit und Autonomie zu wahren. Eine “Toilette für alle” ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Barrierefreiheit ermöglichen

Oftmals ist die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht möglich, da es an Barrierefreiheit mangelt – denn nicht nur banale Treppen können Menschen mit Behinderungen ausschließen. Sind Betroffene mit Betreuer*innen oder Eltern in einem öffentlichen Gebäude und benötigen einen geeigneten Raum zum Wechseln der Inkontinenzeinlage, stehen sie meistens vor einem großen Problem: Die Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen müssen mühsam und oftmals unter größtem Kraftaufwand von ihren Begleitpersonen aus dem Rollstuhl heraus und auf den Toilettenboden gelegt werden, um dort eine frische Inkontinenzeinlage zu erhalten.

Menschenwürde wahren

Einen Menschen – egal ob Kind oder Erwachsener – auf den Boden einer öffentlichen Toilette legen zu müssen, stellt eine menschenunwürdige Situation dar. In vielen Toiletten findet man inzwischen einen Wickeltisch für Babys. Dies ist ein Fortschritt, doch leider ist dieser nur für kleine Kinder nutzbar. Deshalb fordert die Stiftung Leben pur eine Wechselstation für erwachsene Menschen mit schwerer Behinderung.

Menschen mit Behinderungen sichtbar machen

In anderen Ländern, wie etwa in Großbritannien, sind „Toiletten für alle“ inzwischen gängiger Standard geworden (siehe Changing Places). Dort sieht man erfreulicherweise viel mehr Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen auf der Straße und eben auch in öffentlichen Einrichtungen, wie z. B. Einkaufszentren, Bahnhöfen, Kinos, Museen oder Parks.

Deutschland ist in vielen – gerade wirtschaftlichen – Bereichen eines der führenden Länder in Europa. Wenn es aber um die Bedürfnisse von Menschen mit Komplexer Behinderung geht, zählen wir eher zu den Schlusslichtern. Es besteht akuter Handlungsbedarf!

„Toiletten für alle“ – Eine DIN-Norm ist die Lösung!

Deshalb fordert die Stiftung Leben pur die Einführung einer DIN-Norm, die auch Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen ermöglicht, am öffentlichen Leben teilzunehmen. Diese DIN-Norm soll für alle öffentlichen Einrichtungen, wie etwa städtische Schwimmbäder, Rathäuser und Museen, aber auch für Einkaufszentren und andere Orte des öffentlichen Lebens verpflichtend werden.

Die bestehende DIN-Norm 18040-1 (Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 1: Öffentlich zugängliche Gebäude/Sanitärräume), regeln Größe und Ausstattung, Abstand der Griffe und ähnliche Details der Ausstattung. Eine Regelung fehlt: Pflegeliegen zum Wechseln der Inkontinenzeinlagen von Erwachsenen und  Personenifter zur Erleichterung des Transfers vom Rollstuhl auf die Pflegeliege und zurück. Erfreulicherweise sind im Entwurf der neuen DIN EN 17210 bereits viele grundlegende Anforderungen an „Toiletten für alle“ verankert. Doch ob und inwieweit die neue DIN-EN-Norm die DIN 18040 ersetzen bzw. ergänzen wird, wird sich erst noch zeigen.

Raul Krauthausen über sein Lieblingsfeature der Wheelmap: Die Toiletten-finde-Funktion

Unterstützen

Wir freuen uns sehr, das wichtige Anliegen “Toiletten für alle” zu unterstützen und möchten auch andere dazu ermutigen der Stiftung Leben pur zur Seite zu stehen.  

Die Stiftung Leben pur sucht in ganz Deutschland Partner aus Politik, Industrie und Wirtschaft sowie Behindertenverbände, Vereine und Initiativen, aber auch engagierte Privatpersonen, die dieses Grundbedürfnis erkennen und die flächendeckende Umsetzung in Deutschland unterstützen! Auf der Website https://www.toiletten-fuer-alle.de/ gibt es weitere Informationen und auch ein Kontaktformular

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