Für den englischen Wheelmap-Nutzer Ted ist die Festival Saison schon jetzt in vollem Gange – zumindest aus der Sicht seiner Mapping-Aktivitäten: Die Spezial-Mission, für die er sich dieses Jahr engagiert, besteht darin, so viele Orte wie möglich in der Umgebung des Festivals in Marciac, Südfrankreich, auf Wheelmap.org zu markieren.

Jedes Jahr wieder im August wird es voll in der kleinen, mittelalterlichen Stadt Marciac, mitten in Okzitanien, Südwestfrankreich. Dann strömen zwei Wochen lang insgesamt mehr als 200.000 Musikbegeisterte durch die Gassen zu den Bühnen des Marciac Jazz Festivals. Es ist eines der größten Musik-Events in Frankreich, das mit den großen Namen international bekannter Bands, Musiker*innen und Künstler*innen lockt – und das schon seit 1978.

Auch für den englischen OpenStreetMap und Wheelmap „Power User“ Ted Pottage aus Surrey im Vereinigten Königreich steht der diesjährige Termin des Festivals rot angestrichen im Mapping-Kalender.

Lese-Tipps

Hast du Lust auf Festival?

Wir empfehlen dir Adinas Ratgeber zum Besuch von Festivals für Rollstuhlfahrer*innen und Timos Artikel „Zehn Gründe für das Sziget-Festival“.

In seinen Funktionen als Vize des „Disability Alliance Network Surrey East“ und als Direktor der „Surrey Coalition of Disabled People“ macht er sich für Barrierefreiheit und die Rechte von Menschen mit Behinderung stark. Im Rahmen dieses Engagements kam die Verbindung zu der lokalen französischen Assoziation der Rollstuhlfahrer in Marciac zustande.

Ted bot an, in der Vorbereitung auf das Jazz Festival seine Mapping-Kompetenzen beizusteuern. Mithilfe der Daten auf Wheelmap.org will der französische Verein auf dem Festival die Besucher*innen mit Rollstuhl informieren, welche Geschäfte, Restaurants und sonstigen Angebote in der Umgebung für sie rollstuhlgerecht zugänglich sind.

Mapping-Strategien mithilfe von OSM und Wheelmap

Ted’s Ziel ist daher, Marciac und die umliegenden Ortschaften vollständig auf Wheelmap.org zu markieren. Dies bedeutet viel Arbeit, denn viele der Läden sind in der OpenStreetMap, die auch die Grundlage der Geodaten von Wheelmap.org ist, noch nicht verzeichnet: „Ich muss immer erst die Orte in der OSM (Openstreetmap) neu hinzufügen und die Position der vorhandenen Angaben korrigieren. Erst dann kann ich die Rollstuhlzugänglichkeit markieren und Kommentare und Fotos ergänzen. Die schnelle Aktualisierung der Daten in der OSM und in der Wheelmap haben diese Art des Mappings im Laufe der letzten Jahre immer einfacher gemacht“, berichtet Ted aus seiner Mapping-Erfahrung.

Er erfuhr als aktiver OpenStreetMapper im Jahre 2011 von der Wheelmap. Seitdem Ted ein Android-Smartphone besitzt, nutzt er die Karten-Anwendung regelmäßig. „Ich wünschte, es gäbe eine ähnlich nutzerfreundliche App, um die Zugänglichkeit zu Induktionssystemen zu erfassen, auf die Menschen mit einer Hörbehinderung angewiesen sind“, sagt der Engländer.

Ausgestattet mit Smartphone, OSM und Wheelmap gibt es zwei Arten des Mappings, die Ted im Alltag nutzt: 1. „Spontanes Mapping“ an Orten, die er besucht – z.B. ein Café, in das er für eine Besprechung oder in seiner Freizeit einkehrt. 2. „Systematisches Mapping“, bei dem er jeden Eingang eines Geschäfts, einer öffentlichen Toilette usw. in einer Einkaufsstraße fotografiert und einträgt. „Opa, warum hast du so viele Fotos von Toiletten auf dem deinem Handy?“ ist seither eine der Fragen, die ihm sein Enkelkind stellt.

Selbstbestimmtes Mapping für einen „Zugang für alle“

Teds Erfahrung nach sind Angaben zur Barrierefreiheit, die Shops und andere Einrichtungen über sich selbst machen, oft nicht zuverlässig. Deshalb will er im Sinne der Selbstbestimmung die Rollstuhlfahrer*innen in seinem Netzwerk dazu ermuntern, selbst auf Wheelmap einzutragen, welche Orte für sie zugänglich sind und welche nicht. „Dies erfordert Zeit für ein ausführliches Training, damit das nötige Selbstvertrauen entsteht“,  merkt Ted dazu an.

Die Gegend um Marciac in Frankreich zu mappen ist, wie man schon vermuten kann, nicht Teds einziges Projekt. Er hat bereits viele Daten, die für Barrierefreiheit relevant sind, in Großbritannien gesammelt. So viele, dass ganz neue Lösungen möglich sind: „Ein Projekt, mit dem ich an die Verwaltung in Surrey herangetreten bin, ist die Idee, eine weitere Ebene in die Ansicht der interaktiven Karte auf  www.surreycc.gov.uk aufzunehmen. Diese soll alle Bushaltestellen anzeigen, die ich in Surrey auf Wheelmap.org markiert habe und alle Kreuzungen, die abgesenkte Bordsteine und taktile Blindenleitstreifen haben. Damit würde die Reiseplanung für Rollstuhlfahrer*innen und andere Menschen, die eine Mobilitätshilfe nutzen und von außerhalb kommen, sehr viel einfacher.“

Die Motivation des engagierten Engländers entspringt der Vision, „alles zugänglich für alle“ zu machen und so auch die Bedürfnisse einer alternden Gesellschaft mit zu berücksichtigen:  „Ein stufenloser Eingang, eine barrierefrei konzipierte Bushaltestelle oder eine  Kreuzung mit abgesenkten Bordsteinen ist wichtig für einen jungen Rollstuhlfahrer, aber auch gut für einen Großvater mit Rollator. Wer weiß zum Beispiel, wie lange ich noch Treppen steigen kann!“

Fotos: Timo Hermann / Gesellschaftsbilder.de, 2016

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