Nach gründlicher Vorbereitung ist Anfang Oktober 2016 eine große Schulaktion mit der Wheelmap im baden-württembergischen Böblingen gestartet. Bis November sind 26 Schulklassen von insgesamt 20 verschiedenen Schulen im ganzen Landkreis in der Nähe Stuttgarts unterwegs und markieren Orte.

Seit Anfang Oktober wird der Landkreis Böblingen auf der Wheelmap täglich bunter. Insgesamt 26 Schulklassen starten nach und nach ihre eigenen Mapping-Aktionen und erkunden in ihrer Gemeinde die Zugänglichkeit von öffentlichen Orten.

Über 700 Markierungen zum Zugänglichkeitsstatus und zu den Toiletten sowie Fotos, Kommentare zur Rollstuhlgerechtigkeit und Namens- und Adressergänzungen sind nach den ersten zwei Wochen durch das großartige Engagement der Schülerinnen und Schüler schon hinzugekommen. Viele Informationen, ob ein Ort mit Rollstuhl zugänglich ist oder nicht,  werden bei den noch ausstehenden Aktionen weiterer 16 Schulklassen folgen.

Außerdem gehört es auch in das Konzept des kleinen Wettbewerbs, dass es im Anschluss ans Klassen-Mapping noch die Möglichkeit zum „Wild-Mapping“ gibt: Die Schülerinnen und Schüler sind dazu aufgerufen, auch in der Freizeit loszuziehen und die Map weiter zu vervollständigen.

Inklusionsgedanke und Rollstuhl-Perspektive

Teil des Mapping-Projekts ist es auch, dass die Schülerinnen und Schüler für jeden Mapping-Termin einige Rollstühle zur Verfügung haben, mit denen sie die Barrieren ihrer Umgebung selbst erleben können.

Denn das Ziel der Aktion ist nicht nur, einen „Barrierefrei-Wegweiser“ zu erstellen, der so vollständig wie möglich die Gegebenheiten vor Ort abbildet, sondern auch, kreisweit in allen Gemeinden das Bewusstsein für Barrieren und Barrierefreiheit zu schärfen und den Inklusionsgedanken fest in der Gemeinschaft zu verankern.

Aus diesem Grund war es für den Initiator im Teilhabe-Beirat des Landratsamts Böblingen von Anfang des Projekts an sehr wichtig, so viele Menschen wie möglich mit einzubeziehen: Jede Schulklasse trifft sich vor dem Mapping bei einem Begegnungstermin mit betroffenen Personen, die eine Mobilitätseinschränkung haben.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Körperbehindertenschule, der Sozialverbände und des Kreisseniorenrats wirken so als „Experten in eigener Sache“ in dem Projekt mit.

Vorbereitung durch „Wheelmap macht Schule“

Für die Vorbereitung auf das Mapping mit der Wheelmap haben die Lehrerinnen und Lehrer der Klassen bereits im Sommer 2016 an einem Trainer-Workshop teilgenommen. Mit Start des neuen Schuljahres setzten sie dann das Unterrichtsmaterial „Wheelmap macht Schule“ ein, um ihre Klasse an das Themenfeld „Behinderung, Barrieren, Barrierefreiheit und Inklusion“ heranzuführen.

Außerdem beinhaltet das Material auch unterschiedliche Rollen, die die Schülerinnen und Schüler beim Mapping selbst einnehmen und sie als Expertinnen und Experten auf gezielte Aufgaben vorbereiten. So achten zum Beispiel die Statistiker*innen unterwegs darauf, wie hoch die Steigung von baulich fest verlegten Rampen ist.

Dem Koordinationsteam im Landratsamt Böblingen war es zudem wichtig, auch die ansässigen Betriebe, Einzelhandelsgeschäfte und sonstigen Gewebebetreibenden mit ins Boot zu holen. Damit soll die Akzeptanz der Schulaktion erhöht werden und Vertrauen in die umherziehenden Schulgruppen gestärkt werden.

Alle Schülerinnen und Schüler sind daher auch mit einem gelben Wheelmap-T-Shirt und einem Informationsflyer ausgestattet und stehen auch mit Rat zu Seite, wenn es um Fragen zu mobilen Rampenlösungen (z.B. Wheelramp) geht.

Eine Initiative der kommunalen Verwaltung

Die Schulaktion ist ein schönes Beispiel für das Engagement einer öffentlichen Verwaltung, die eine dauerhafte Veränderung bezüglich der Barrierefreiheit in ihrem Landkreis anstoßen will. Hauptkoordinator Reinhard Hackl hat großes Durchhaltevermögen gezeigt, in der Planung die unterschiedlichen Gruppen zusammenzubringen.

Einen Überblick zur Aktion einschließlich der aktuellen „Kreisligatabelle“ findet man auch auf der Wheelmap-Projektseite des Landratsamts Böblingen.