Urlaubstipps für Berlin gibt es fast so viele wie Gerüchte über den neuen Hauptstadtflughafen. Doch wie sieht das für Besucher unserer schönen Stadt aus, die im Rollstuhl sitzen? Wir haben zwei gefragt, die es wissen müssen: den Berliner und Initiator von Wheelmap.org, Raúl Krauthausen und Laura Gehlhaar, Coach (univ.), Mediatorin (univ.) und Texterin, wohnhaft in Berlin. Hier sind ihre persönlichen Tipps & Tricks, wie man Berlin als Rollstuhlfahrer/in am besten erobert.

Grundsätzliches – Essen, Schlafen & Fortbewegung

Rollstuhlgerechte Hotels & Pensionen in Berlin:

Das Scandic-Hotel zeichnet durch seine gute Verkehrslage und Barrierefreiheit aus. Wer lieber in ein Hostel geht, dem sei das Meininger empfohlen.

 

Öffentlicher Nahverkehr und behindertengerechte Taxen:

  • Der öffentliche Personennahverkehr wird von zwei Anbietern betrieben: Da ist einmal die Berliner S-Bahn, welche von der Deutschen Bahn betrieben wird. Die Busse, die U- und die Straßenbahn wiederum werden von der Berliner Verkehrs-Gesellschaft (BVG) angeboten. Insgesamt ist es, was Barrierefreiheit und ÖPNV angeht, in Berlin eigentlich ganz gut. Zwar gibt es hin und wieder noch alte Straßenbahnen im Ostteil der Stadt, aber dafür sind alle Busse mit Rampen ausgestattet.
  • Viele U- und S-Bahnhöfe haben Aufzüge und Rampen. Eine genaue Übersicht der barrierefreien Stationen gibt es hier. Die gelben Icons zeigen, welche Station einen Aufzug bzw. eine Rampe hat.
  • Natürlich kommt es auch in Berlin vor, dass Aufzüge mal defekt sind. Um Frust zu vermeiden, kann man sich auf der Website der S-Bahn und der Website der U-Bahn vorab über die Funktionstüchtigkeit informieren. Und weil das ganz schön umständlich ist, haben wir eine Seite gemacht, die die Infos der beiden Verkehrsbetriebe bündelt: BrokenLifts.org. Genial, oder!?
  • Spezielle Rollstuhlbusse bietet die Firma Tourenbus. Diese kosten aber meist extra und sind nur Tage vorher zu buchen. Will man mit dem Taxi fahren, kann man es bei Londontaxi in Berlin versuchen.

Laura

Laura

Laura lebt seit fünf Jahren in der Spree-Metropole

Raul

Raul

Raul kam mit einem Jahr nach Berlin und ist bis heute geblieben.

Infrastruktur:

Die Infrastruktur ist besonders im Osten der Stadt sehr alt. Man sollte sich auf Schlaglöcher und unregelmäßige Bepflasterung einstellen. An den Wochenenden hinterlässt das Partyvolk gerne ein gefährliches Andenken der letzten Nacht auf den Straßen: Glasscherben. Tipp: Ein Ersatzschlauch mitnehmen oder sich vorab informieren, wo man mit seinem Rollstuhl zur Reparatur anfahren kann.

Rollstuhlgerechte Restaurants und Cafés:
  • Im Kuchenkaiser in Kreuzberg gibt es verdammt leckere, selbstgemachte Fischstäbchen.
  • Das Café Bilderbuch in Schöneberg hat einen leckeren Marmorkuchen.
  • Im Ahorn bin ich (Raúl) am Häufigsten. Dort gibt es die besten Pasta-Pesto ever.
  • Das Südblock ist direkt am Kottbusser Tor (Kotti) und eine Instanz der linken Szene.

Urlauberisches – Ausgehen, Sightseeing & Abenteuer

Rollstuhlgerechte Kneipen, Bars und Clubs:

  • Das Kaffee Burger ist nicht nur bekannt für seine Russendisko, sondern gilt auch als ‘Abschleppschuppen’ Berlins. Sobald man am Eingang eine Stufe von 10 cm überwunden hat, kann man sich drinnen mit gutem Gewissen ein, zwei, … Wodka genehmigen, denn: Die Toilette ist Rollstuhlgerecht!
  • Das Berghain sollte sich jeder gönnen, der auf harte und laute Housemusik steht. Wenn man Glück hat, winken die Türsteher einen dann schonmal an der langen Schlange vorbei. Ansonsten heißt es: Warten, wie jeder andere auch.
  • Im Lido tanzt man bis in die späten Morgenstunden zu Balkan Beats oder Live-Konzerten. Am Eingang steht eine Rampe bereit und die Rollstuhltoilette befindet sich im Backstagebereich. Einfach fragen!
  • Das Kater Blau an der Spree ist für Rollstuhlfahrer auch eine gute location zum Party machen.

Sehenswürdigkeiten, die mit dem Rolli gut zu besichtigen sind:

  • Die Reichstagskuppel ist eine DER Attraktionen in Berlin. Als Rollstuhlfahrender Mensch kommt man über einen Seiteneingang, ohne anzustehen, sofort rein.
  • Der Aufzug des Bode Museums ist ein architektonisches Meisterwerk.
  • Auch die Museumsinsel ist für mobilitäseingeschränkte Menschen gut besuchbar.

Dinge, die man unbedingt tun sollte:

Im Sommer Abends am Kanal auf derAdmiralbrücke ein Bier mit Freunden trinken. Eine Bootstour entlang der Spree.

Ecken, die man eher meiden sollte (z.B. wegen schlechter Straßen):

Einige Ostteile der Stadt sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln schwer zu erreichen. Hier sollte man gut vorplanen. Will man nach Brandenburg oder Potsdam muss man mit der S-Bahn bzw. dem Regionalexpress fahren. Das birgt einige Risiken bezüglich der Barrierefreiheit. Nicht jeder Regionalexpress hat funktionierende Rampen. Und nicht immer gehen die Aufzüge am Zielbahnhof.

Notwendiges – Versorgung & Nachschub

Sanitätshäuser, die zugänglich sind und eine große Auswahl haben:

  • Sehr gute Erfahrungen habe ich mit den Orthopädiehäusern Ortmaier und Medicar gemacht.
  • Der Rollstuhlpannendienst Berlin hilft bei platten Reifen und streikenden Motoren rund um die Uhr.

Noch mehr rollstuhlgerechte Orte finden sich natürlich unter www.wheelmap.org/map. Und für unterwegs empfiehlt sich besonders unsere App für iPhone und Android.

Weiter Hinweise könnt ihr gerne in den Kommentaren geben. Teilen macht Spaß und so sammeln wir zusammen die besten Tipps für jede Stadt!

Noch mehr Tipps aus der Facebook-Community:

Aussichtspunkte: als Alternative zum Fernsehturm wahlweise der Panoramapunkt im Kohlhoff-Tower am Potsdamer Platz mit dem schnellsten Fahrstuhl Europas oder die Terrasse des Park-Inn Hotels am Alexanderplatz.

Der Eingang zum Panoramapunkt ist in der Alten Potsdamer Straße links von Maredo, Behinderte und Begleiter bekommen je 50% Rabatt. Wehmutstropfen: die oberste Plattform ist nur über Treppen zu erreichen, aber die untere bietet schon einen klasse Ausblick über Berlin. Infos: www.panoramapunkt.de

Schlafen: das Hotel Mondial, http://www.hotel-mondial.com/ – sogar mit Schwimmbad, das von Nicht-Fußgängern benutzt werden kann. Außerdem liegt es direkt am Ku’damm und der M29 ist ganz nah, was es sehr erleichtert hat, überall hinzukommen.
Das Hotel Mit-Mensch in Karlshorst: http://www.mit-mensch.com/

Kultur: 4 Rollstuhlplätze mit Begleitung gibt es im Schloßparktheater.
Der Martin Gropius Bau, in dem viele gute Ausstellungen sind, ist ebenfalls voll rollstuhlgerecht (wie auch das angeschlossene Restaurant und der Biergarten im Sommer).

Sport / Vergnügen: Das Tropical Island – Badespaß etwas außerhalb von Berlin.
Tausend Dank an Timo, Barbara, Lena und Jessy für die fabelhaften Hinweise!

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